Evaluation der Unterrichtseinheit aus Lehrer- und Schülersicht

Hier sollen konkrete Evaluationsvorschläge/-instrumente entwickelt werden, die die informelle Frage „Wie fandst du die Unterrichtseinheit?“ konkretisieren, um mögliche Antworten zu liefern, die präziser beschreiben, wie aus Lehrer- und Schülersicht die UE verlaufen ist.

Ziele

Das Ergebnis könnte ein kurzer (!) Fragebogen sein (d.h. eigentlich zwei, jeweils einer für die SuS sowie die LuL), der die subjektive Sicht der Teilnehmenden der UE dokumentiert. Zusammen mit den Aufgaben, die die Lernziele testen/prüfen kann so ein umfangreicheres Bild vom Erlebten gezeichnet werden.

Bei der Entwicklung eines Evaluationsinstrument stellt sich also in erster Linie die Frage, welchen Zweck dieses hat und welche Antworten die Evaluation liefern soll. Vermutung hier: die Tauglichkeit der UE soll geprüft werden, Schwachstellen sollen erkannt und verbessert werden -> was ist mit Tauglichkeit gemeint?

Tauglichkeit der UE
Hier werden Kritieren definiert, die die „Tauglichkeit“ der UE erfassen sollen. Aus diesen Kriterien werden dann die Items für den Fragebogen entwickelt. Generell gesprochen ist die UE tauglich, wenn sie die Idee des Kontext umsetzt, als UE umsetzbar ist, von den SuS angenommen wird und die Lernziele erreicht werden. Dass kann abgebildet werden in den folgenden Krriterien und ist jeweils unterschiedlich abprüfbar:

A Kontext generell: erfüllt die UE die definierten Kriterien von Kontext? Das ist wohl eine Frage, die weniger die zwei Fragebögen, sondern die Desinger der UE selbst oder Dritte beantworten sollten.
B Umsetzbarkeit der UE bzgl. Ressourcen und Unterrichts- und Lernzielen: das ist wohl zentraler Aspekt für LuL-Fragebogen
Ressourcen: zeitlicher Aufwannd die UE vorzubereiten,zeitlicher Rahmen bei Durchführung, finanzieller Aspekt bsp. für Material, etc.
Motivation, Interesse der SuS: bei der Bearbeitung der UE, vermutlich die zentralsten Aspekte bei SuS-Sicht, da Kontext insbesondere Motivation und Interesse triggern soll

Mögliche Antworten
Es muss geklärt werden, welche Form von Antworten generiert werden und wie diese Ergebnisse ausgewertet sollen. Hier ist vorallem die Granularität entscheidend: also reichen zunächst geschlossene Fragen, z.B. „Hat Dich die UE interessiert?“ Kreuze an: Ja, Nein.
D.h. vielleicht reicht für eine erste Evaluation aus, überhaupt zu wissen, wieviele der SuS die UE interessant fanden, ehe man dann mit geschlossenen Antworten wie 1-5 oder sogar offen fortfährt.

Die Frage hier ist: was fängt man damit an, wenn man weiss, dass 60% der SuS den Kontext der UE toll, 30% die Aufgaben zu schwer und 40% die UE generell langweilig fanden? Auf die meisten dieser quantitativen Antworten folgt sofort die Frage:Was? Was war langweilig? Was war zu schwer? Welcher Aspekt von Kontext war toll etc.

Man kann die Evaluation also sehr weit treiben…Vorsicht.

A Entwicklung der Items für die Erfassung von Kontext
Es kann evauliert werden, ob Kontext generell in der UE erfasst wurde. Diese Überprüfung basiert auf der Definition von Kontext.

Definition von Kontext laut www.informatik-im-kontext.de:
Kontexte sind lebensweltlich zusammenhängende Themen.
Sie sind vieldimensional.
Sie werden in Diskursen geordnet.

Definition von Kontext laut Arbeitsgruppe „Konzepte“:
– lebensnah/wirklich
– zeitstabil
– produktorientiert (die Schülerinnen und Schüler erstellen ein Handlungsprodukt)
– für Schüler erfassbare Komplexität
etc.

Noch offen…Kriterien für eine Evaluation lassen sich erst entwickeln, wenn die Definition hinreichend geklärt ist.

B Entwicklung der Items für die Erfassung der LuL-Sicht
Die Abfrage der LuL-Sicht kann im Prinzip der Auswertung von Unterricht folgen. Es werden nun die verschiedenen Dimensionen und ihre Items aufgezählt:

Umsetzbarkeit der UE bzgl. der Unterrichtsziele:
Es sind unterschiedliche Formen zur Überprüfung des Lernerfolgs, also des Erwerbs der ausgewiesenen Kompetenzen denkbar:
Tests
Bewertung der Handlungsprodukte
Analyse von Lerntagebüchern oder Prozessdokumentationen
Umsetzbarkeit der UE bzgl. Ressourcen: zeitlicher Aufwannd die UE vorzubereiten, zeitlicher Rahmen bei Durchführung, finanzieller Aspekt beispielsweise für Material:
War die UE gut handhabbar?
Hat es dem Aufwand entsprechend gepasst?
Was hat gefehlt?
Die eigene Rolle als Lehrkraft:
Konnte ich im Wesentlichen die begleitende und beratende Rolle wahrnehmen?
Konnte ich unterschiedlich leistungsfähige Schülerinnen und Schüler mit Hilfe des verfügbaren Materials geeignet fördern und fordern?
Die Rolle der SuS aus Sicht der LUL:
Haben die SuS selbstgesteuert gelernt?
Waren die SuS motiviert? interessiert?
Haben alle SuS gearbeitet?
etc.

C Entwicklung der Items für die Erfassung der SuS-Sicht
Überprüfung der Lernziele etwas problematisch, da die SuS die Ziele nicht selbst definiert haben und somit diese eher Fremdziele darstellen. Aber man kann ja fragen, ob und was die SuS meinen gelernt zu haben.

Es werden nun die verschiedenen Dimensionen und ihre Items aufgezählt:
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Motivation, Interesse der SuS:
Entsprach der Kontextbezug der UE Deinem „Leben“?
Hat Dich die UE interessiert?
Warst Du motiviert durch die Problemstellung der UE?
etc.
Umsetzbarkeit der UE bzgl. Ressourcen und Lernzielen:
Empfandest Du die Aufgaben vom Schwierigkeitsgrad her angemessen?
Bist Du zeitlich mit den Aufgaben klargekommen?
Würdest Du sagen, dass Du etwas gelernt hast? Was hast Du gelernt?

Durchführung der Evaluation
A sollte vor der Erprobung der UE erfolgen. A kann von den Designern der UE oder von Designern anderer UE durchgeführt werden. Hier wird die Expertise benötigt, die Kriterien für Kontext an die UE anzulegen und kritisch zu überprüfen, ob die UE die Kritieren abbildet. Vermutlich werden nicht alle Kriterien abgebildet oder es gibt eine unterschiedlich starke Abbildung. Dies sollte für die Endevaluation unbedingt schriftlich festgehalten werden.

B sollte am Ende der UE am besten in den Räumlichkeiten der UE erfolgen.

C sollte so unmittelbar danach wie möglich erfolgen, aber in einem Rahmen, der den LuL die Möglichkeit bietet zu reflektieren und sich Gedanken zu machen.

Die Ergebnisse von A, B und C gehen an die Designer der UE, die die Evaluationsdaten auswerten und die Ergebnisse in die Überarbeitung der UE einfließen lassen.