CV · LEHRE · VERÖFFENTLICHUNGEN · PROJEKTE


Wintersemester 2011/12

Hauptseminar: Biopics und Biofiction: Filmische und literarische Strategien populärer Biographik

Seit Jahrhunderten sind Künstlerpersönlichkeiten – vor allem Dichter, Komponisten und SchauspielerInnen – Gegenstand populärer biographischer Darstellungen: zunächst in Literatur und Theater, seit der Etablierung der Medien Film und Fernsehen auch dort. Schon ein oberflächlicher Blick auf die ungezählten biographischen Romane, Dramen, Opern/Operetten, Spielfilme und TV-Produktionen zeigt, dass die betreffenden Darstellungen meist weit mehr über die kulturelle Konstellation verraten, in denen sie entstanden, als über das Leben des/der Porträtierten. Das Seminar will anhand ausgewählter Beispiele dem komplexen Verhältnis von „historischer Wahrheit“ einerseits und den Absichten und Strategien der betreffenden Film-/Fernseh-/Roman-Biographien andererseits nachgehen. Als Ausgangspunkt für die Diskussion bieten sich die bekannten Filme von Ariane Mnouchkine über Molière (Molière; 1978), von John Madden über William Shakespeare (Shakespeare in Love; 1998) und von Gérard Corbiau über Jean-Baptiste Lully (Le roi danse; 2000) an. Die Auswahl weiterer Themen und Beispiele richtet sich nach den Interessen und Kenntnissen der SeminarteilnehmerInnen.

Wintersemester 2010/11

Hauptseminar: Mediale und literarische Repräsentationen von Stadt

Im 20. und 21. Jahrhundert wurde und wird die Wahrnehmung von „Stadt“ zunehmend vom Phänomen der Metropolenkonkurrenz und des entsprechenden Stadtmarketing bestimmt. Städte „inszenieren“ sich, sie werden mit „Labels“ versehen, die gleichermaßen nach außen wie nach innen wirken (sollen): ersteres, um die Standortattraktivität für Touristen, aber auch für potenzielle Investoren herauszustellen, letzteres nicht zuletzt, um Identität zu stiften. Auffallend ist, dass für aktuelle „Inszenierungen“ von Städten häufig Deutungsmuster herangezogen werden, die eine sehr lange Tradition besitzen und im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte ihrerseits in unterschiedlicher Weise gedeutet wurden. Das naheliegendste Beispiel hierfür ist zweifellos die „Inszenierung“ Wiens als „Musik- und Theaterstadt“. Es soll im Seminar anhand unterschiedlicher Städte und historischer Konstellationen der Frage nachgegangen werden, wie visuelle und audiovisuelle Medien, Literatur und Publizistik Bilder von Städten erzeugen und damit die Wahrnehmung der jeweiligen Stadt präformieren.

Wintersemester 2009/10

Vorlesung: Masken, Typen, Szenerien. Erscheinungsformen der Antiken- und der commedia-dell’arte-Rezeption vom 17. bis zum 20. Jahrhundert

Die europäische Theatergeschichte kennt wenige Phänomene, die über Jahrhunderte in so maßgeblicher Weise zu Bezugsgrößen unterschiedlichster performativer Praktiken wurden wie die Theaterkultur der Antike einerseits und die Spielpraxis der commedia dell’arte andererseits. Zum Gegenstand der produktiven Aneignung wurden dabei sämtliche Parameter des Theaters: Raumkonzepte bzw. situative Rahmen, Konzepte von Figur, Typus und Charakter, Modelle von Bewegung und Körperpräsentation, Kostüm, Maske u.v.m. Aspekte der Antiken- bzw. commedia dell’arte-Rezeption lassen sich in sämtlichen Sparten des Theaters beobachten. Auf welche Parameter sich die Rezeption bezog und wie die betreffenden Vorgaben (um-)gedeutet wurden, gibt Aufschluss über die je spezifische (theater-)kulturelle Konstellation, in der die Rezeption erfolgte. Die Vorlesung wird in diesem Sinn ausgewählte Stationen der europäischen Inszenierungs- und Aufführungspraxis als Momente der Auseinandersetzung mit der Antike bzw. der commedia dell’arte vorstellen.

Sommersemester 2009

Vorlesung: Schauspieler und Rollen. Theaterkonzepte seit dem 18. Jahrhundert

Zu den zentralen Gegenständen theaterästhetischer Reflexion gehörte über die Jahrhunderte das Verhältnis des Schauspielers zu seiner Rolle. Nicht zuletzt die Frage, ob ein Schauspieler „selbst empfinden“ oder mittels einer Technik lediglich Zeichen von Empfindungen reproduzieren solle, wurde dabei kontrovers diskutiert. Das Themenspektrum, das sich von hier aus eröffnet, umfasst so unterschiedliche Bereiche wie die Auseinandersetzung mit dem Stellenwert des dramatischen Textes für das Theater und die Übertragung der Begrifflichkeit des Rollenspiels auf soziale Prozesse. Im Zentrum der Vorlesung stehen Texte des 18. bis 20. Jahrhunderts u.a. von Denis Diderot, Johann Jacob Engel, Johann Wolfgang von Goethe, Edward Gordon Craig, Konstantin Stanislawski und Erving Goffman.

Wintersemester 2008/09

Vorlesung: Räume, Körper, Bewegungen: Szenische Praktiken im Theater der Neuzeit

Mit den Begriffen des Raums, des Körpers und der Bewegung sind einige der wesentlichen Parameter von Theater benannt, die in unterschiedlichen historischen Kontexten auf je spezifische Weise aktualisiert wurden. Dabei befanden sich die Konventionen, denen die Bühne folgte, in einem komplexen Verhältnis zu den Konventionen des kulturellen Feldes, in dem die jeweiligen Inszenierungen/Aufführungen angesiedelt waren. Anhand von Konzepten wie „Illusion“, „Natürlichkeit“, „Wahrscheinlichkeit“, „Realismus“ oder „Repräsentation“ lässt sich dieses Verhältnis beleuchten. Vor diesem Hintergrund will die Vorlesung den Bedingungen des Theatermachens und der Entwicklung szenographischer und darstellerischer Mittel seit der Renaissance an ausgewählten Beispielen nachgehen. Dabei rücken Anlässe und Räume für Theater ebenso in den Blick wie Bewegungsstile und Konzepte des „Inszenesetzens“ bzw. der „Regie“.

Sommersemester 2008

Vorlesung: Theatertheorie im deutschsprachigen Raum: das 18. und das 20. Jahrhundert

Die Theatertheorie des 18. Jahrhunderts war bestimmt durch Fragestellungen, die im Kontext der Herausbildung eines „stehenden Theaters“ jenseits der höfischen Repräsentationskultur virulent wurden: Welche gesellschaftlichen und moralischen Funktionen vermag das Theater zu übernehmen? Wie läßt sich Schauspielkunst systematisieren? Welche dramaturgischen Modelle entsprechen welchen Wirkabsichten des Theaters? Die breite Diskussion über derartige Fragen lieferte nicht zuletzt die Voraussetzung für die Etablierung des sogenannten „bürgerlichen Illusionstheaters“, das die Theaterkultur des 19. Jahrhunderts wesentlich prägte. Dieses zu hinterfragen oder gar zu überwinden, unternahm dann die ästhetische Debatte des 20. Jahrhunderts, die sämtliche Parameter des Theaters wie Bühnenbild, Theaterarchitektur, Schauspielstil u.v.m. neuerlich auf den Prüfstand stellte. Im Zentrum der Vorlesung stehen voraussichtlich Texte von Gotthold Ephraim Lessing, Jakob Michael Reinhold Lenz, Friedrich Schiller, Johann Jacob Engel, Adolphe Appia, Erwin Piscator, Bertolt Brecht sowie einiger Künstler aus dem Umfeld des Bauhauses. Zu Beginn des Semesters wird ein Reader mit den relevanten Texten zur Verfügung gestellt.