{"id":182,"date":"2017-10-17T16:06:02","date_gmt":"2017-10-17T14:06:02","guid":{"rendered":"https:\/\/medienwissenschaft.uni-bayreuth.de\/inik\/?page_id=182"},"modified":"2017-10-17T16:06:23","modified_gmt":"2017-10-17T14:06:23","slug":"digitales-audio-im-kontext","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/medienwissenschaft.uni-bayreuth.de\/inik\/entwuerfe\/audiobearbeitung\/digitales-audio-im-kontext\/","title":{"rendered":"Digitales Audio im Kontext"},"content":{"rendered":"<p>Der Umgang mit digitalen Audiodaten ist in vielf\u00e4ltige Themen und Fragestellungen aus der Lebenswelt der Sch\u00fcler eingebettet. Ende 2008 vermeldete die Warner-Music-Group mehr Umsatz durch Download als durch den Verkauf von Musik-CDs (28.11.2008: <a href=\"http:\/\/www.boersenblatt.net\/293957\/\">http:\/\/www.boersenblatt.net\/293957\/<\/a>). In Deutschland liegen die Downloadzahlen noch bei 20%, mit steigender Tendenz, w\u00e4hrend der Verkauf von CDs seit Jahren stagniert (<a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/Musikindustrie-will-wieder-vermehrt-gegen-Urheberrechtsverletzer-klagen--\/meldung\/134815\">http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/Musikindustrie-will-wieder-vermehrt-gegen-Urheberrechtsverletzer-klagen&#8211;\/meldung\/134815<\/a>)<br \/>\nNeben diesem von den Rechteinhabern akzeptierten Markts gibt es eine ausgepr\u00e4gte Praxis des Downloads aus P2P-Angeboten, gegen die Musikindustrie seit Jahren mit juristischen Mitteln vorzugehen versucht. Digitale Musik wird mit kryptografischen Verfahren wie Digital Rights Management (DRM) oder mit Steganografie in Form digitaler Wasserzeichen als \u00f6konomisch knappes Gut behandelt und als Ware verkauft. Die charakteristischen Eigenschaften digitaler Medien bleiben dabei notwendigerweise auf der Strecke: sie sind unbeschr\u00e4nkt verf\u00fcgbar, verlustfreie kopierbar und beliebig speicherbar und damit nicht knapp. Dadurch entsteht eine digitale \u00d6konomie des Zugangs, die sich von der atombasierten \u00d6konomie des Mangels fundamental unterscheidet, was zu neuen Handlungsformen bei der Beschaffung, der Produktion, der Distribution, dem Absatz und der Nutzung digitaler Medien f\u00fchrt.<br \/>\nEin diesen\u00a0 \u00f6konomischen Verh\u00e4ltnissen angemessenes Verg\u00fctungssmodell sind Pauschalabgaben, in letzter Konsequenz in Form einer Kultursteuer, bei der gegen eine Grundabgabe beliebiger Zugang zu digitalen G\u00fctern gew\u00e4hrt wird, deren Schutz mit technischen und juristischen Ma\u00dfnahmen als wenig aussichtsreiches Gesch\u00e4ftsmodell erscheint.<br \/>\nDie Rechtslage aber unterst\u00fctzt den Gedanken, digitale G\u00fcter als klassisches Wirtschaftsgut zu behandeln und sch\u00fctzt \u00bbwirksame technische Ma\u00dfnahmen\u00ab (\u00a795a Abs. 2 UrhG), mit denen die unerlaubte Nutzung \u00bbunter Kontrolle gehalten wird\u00ab (ebd.). Insofern ist es Aufgabe der Schule, die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler f\u00fcr die aktuelle Rechtslage zu sensibilisieren, ohne dabei \u00fcber das Ziel hinaus zu schie\u00dfen. So sind Kopien digitaler Medien zum eigenen Gebrauch als Privatkopie durchaus zul\u00e4ssig und d\u00fcrfen auch ohne Gewinnabsicht weiter gegeben werden (\u00a7 53 UrhG), solange dabei keine wirksamen technischen Ma\u00dfnahmen umgangen werden. Verboten sind allerdings jegliche Formen der Ver\u00f6ffentlichung, Verbreitung oder andere Form der Zug\u00e4nglichmachung, z.B. auf Webseiten.<br \/>\nDigitale Audiomedien sind aber nicht in ihrer Form als Kultur- Wirtschafts- und Rechtsgut relevant, sie werden von Sch\u00fclern zunehmend auch in eigenen Medienproduktionen verarbeitet. Sie nehmen auf, bearbeiten, samplen, zitieren, konvertieren, kopieren, \u00fcbertragen, verbreiten und ver\u00f6ffentlichen Audioaufnahmen mit Handys, PDAs, Laptops oder Desktop-Computern. Die Qualit\u00e4t der Produkte h\u00e4ngt in hohem Ma\u00df vom technischen Verst\u00e4ndnis ab, wenn es um die angemessene Einstellung der Aufnahmelautst\u00e4rke, der Sampleraten, Abtastfrequenzen, Codierungs- oder Kompressionskenngr\u00f6\u00dfen geht. Hinter Algorithmen wie MP3, AAC oder WMA stehen komplexe physiologische, mathematische und informationstechnische Modelle, die zu Kompressionsraten von 1:12 ohne h\u00f6hrbare Verluste f\u00fchren (lt. Brandenburger f\u00fcr MP3). Zumindest die Kenntnis der Grundlagen sind f\u00fcr einen aufgekl\u00e4ren und zielorientierten Umgang mit dieser Technik erforderlich.<br \/>\nDie M\u00f6glichkeit der Tonbearbeitung und Verf\u00e4lschung sollte wie bei der Bildverarbeitung zu einem kritischen Umgang in die Vertrauensw\u00fcrdigkeit des Geh\u00f6rten m\u00fcnden. Wo Audiobeitr\u00e4ge aus beliebigen Bruchst\u00fccken zusammen gestellt werden, entsteht eine digitale Samplekultur, der es weniger um Authentizit\u00e4t wie bei HiFi geht als vielmehr um H\u00f6rerlebnisse, die durch digitale Verfremdung und Komplierung gezielt hervor gebracht werden.<br \/>\nAus diesen neuen \u00e4sthetischen M\u00f6glichkeiten, die mit digitalen Medien f\u00fcr jedermann zur Verf\u00fcgung stehen, ergeben sich neue Verantwortlichkeiten, nicht nur im Bereich urheberrechtlich gesch\u00fctzter Aufnahmen. Audiomitschnitte von Untericht oder Gespr\u00e4chen ohne Kenntnis der Betroffenen ist ein Eingriff in ihre Pers\u00f6nlichkeitsrechte (\u00a7 201 StGB) und kann bei Ver\u00f6ffentlichung oder Zug\u00e4nglichmachung zu erheblichen Problemen f\u00fchren. Wie im Umgang mit Immaterialg\u00fctern ist auch hier ist eine bewu\u00dfte Begleitung der Produktion erforderlich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Umgang mit digitalen Audiodaten ist in vielf\u00e4ltige Themen und Fragestellungen aus der Lebenswelt der Sch\u00fcler eingebettet. Ende 2008 vermeldete die Warner-Music-Group mehr Umsatz durch Download als durch den Verkauf von Musik-CDs (28.11.2008: http:\/\/www.boersenblatt.net\/293957\/). 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