Das Vorhaben untersucht die konstitutive Verwicklung der Kulturtechnik Archiv in koloniale Praktiken der Weltaneignung und fragt nach dem ‚kolonialen Unbewussten‘ solch archivalischer Praktiken und ihrer Produktivität bis heute. Das Archiv verhält sich nicht neutral zu seinen Sammlungsgegenständen; vielmehr ist es selbst an den Weisen der Wissensgenese mitbeteiligt, denn seine Ordnungsstrukturen leiten die Sammlung von Dingen an und Kategorisierungen ermöglichen deren Einfügung in die Archive, wo sie der Wissensgenese als vorstrukturierte Arbeitsobjekte zur Verfügung stehen. Das Forschungsvorhaben untersucht vor diesem Hintergrund, inwiefern die objektiv/unschuldig/neutral erscheinende und bis heute außerordentlich produktive Kulturtechnik Archiv tief in kolonialistische Weltaneignung verstrickt ist und wissenschaftliches Wissen bis zu aktuellen Datenbanken und Big Data entscheidend mit strukturiert.

Publikationen zum Thema

Hanke, Christine (2014): Alles nur Programm? Überlegungen zum Unprogrammierten der Medien(wissen­schaft). In: Medienw. Symp. d. DFG, Bd. 1: „Programm(e)“ der Medien (hg. von Dieter Mersch, Joachim Paech). Berlin 2014: 269-297.

Hanke, Christine (2014): Wissenschaftsforschung. In: Handbuch Medienwissenschaft (hg. v. Jens Schroeter). Stuttgart: 537-547.

Hanke, Christine; Höhler, Sabine (2010): Epistemischer Raum: Labor und Wissensgeographie. In: Handbuch Raum (hg. v. Stephan Günzel) Stuttgart/Weimar: 309-321.

Hanke, Christine (2007): Zwischen Auflösung und Fixierung. Zur Konstitution von ‚Rasse‘ und ‚Geschlecht‘ in der physischen Anthropologie um 1900. Bielefeld.