Vom 3.-5. April 2014 veranstalten Prof. Dr. Matthias Christen und Dr. Kathrin Rothemund an der Universität Bayreuth die internationale Tagung „Cosmopolitan Cinema. Arts and Politics in the Second Modernity“, die durch die DFG und den Universitätsverein Bayreuth e.V. gefördert wird.

Der Kosmopolit, der sich in einer globalisierten Welt zwischen Nationen, Märkten und Identitä­ten wie selbstverständlich bewegt, avancierte in den letzten Jahren zu einer Schlüsseltrope zeitgenös­sischer Identitätsbildung und Selbstverständigung. Der Kosmopolitismus dient in diesem Zusammenhang als Inbegriff einer neuen Haltung zu internationalen Verflechtungen sowie Geld- und Menschenströmen zwischen Kontinenten und Nationen. Gegenüber den Nationalstaa­ten rücken einzelne Akteure, die moralisch und politisch der Idee einer Weltgesell­schaft verpflichtet sind und im Bewusstsein der notwendigen Akzeptanz Anderer agieren, ins Zentrum einer kulturpolitischen Debatte. In der Vorstellung einer Bewegung auf eine Weltgesell­schaft hin, die aus gleichberechtigten und selbstbestimmten Bürgern unterschiedlich­ster Herkunft besteht, schwingt eine utopische Haltung mit, die historisch auf die Aufklärung zurückgeht und in Zeiten der Internationalisierung und Globalisierung ein Gegenangebot zu vorherrschenden hegemonialen Strukturen der Realpolitik macht. Die Idee einer Weltgesell­schaft wird – dies die Arbeitshypothese der Konferenz – im zeitgenössischen Kino aufgegriffen und ausgeformt, indem Welt- und Gesellschaftsmodelle entworfen werden. Das Medium Film wird auf diese Weise im globalen Netz von Bewegungs- und Entwicklungsströmen einer Zweiten Mo­derne zu einem kosmopolitischen Akteur.
Ziel der internationalen Tagung ist es, die gegenwärtigen Debatten zum Kosmopolitismus, die bisher in der Forschungsgemeinschaft vorrangig in den Politik-, Rechts- und Sozialwissenschaf­ten geführt werden, in einem kulturwissenschaftlichen Kontext aufzugrei­fen und auf die Künste – insbesondere das Kino – zu beziehen. Es geht dabei um den interdisziplinären wie den internationalen Aus­tausch von Wissenschaftler/-innen, um die Wechselwirkungen zwischen theoretischen Konzep­ten und künstlerischen Artefakten und um die Reflexion von historischen und utopischen Gesell­schaftsentwürfen, die in und mittels Medien durchgespielt werden. Darüber hinaus soll die Konferenz der Frage nachgehen, in welcher Form das Kino im Sinne eines utopischen Ausgriffs in die Zukunft Modellcharakter für gesellschaft­liche Entwicklungen übernehmen kann, woraus sich nichts weniger als die Frage nach einer kinemato­graphischen Epistemologie ergibt.

Das Programm kann hier und das Book of Abstracts kann hier heruntergeladen werden.