Auf den Spuren des modernen Horrorfilms –
Nosferatu der Ur-Vampir

— Eine Kritik von Lucia Distler

Symphonie und Grauen verspricht uns Murnaus Nosferatu aus dem Jahr 1922, ein Film, der zweifellos zu den stilbildenden Vorreitern des modernen Horrorfilms zählt. In seiner Kritik in Der Tag aus dem Jahre 1923 befand Béla Balázs beide Termini für zutreffend, aber lasst uns prüfen, ob wir das im Jahr 2017 immer noch behaupten wollen. Macht die Musik den Film zur Symphonie und was geschieht, wenn man sie austauscht? Kann uns Max Schrecks Version des bösartigen, blutsaugenden Vampirs heute noch das Fürchten lehren? Wie kommt es, dass ausgerechnet Nosferatu – der seine Macher in den Ruin trieb – mehrere gleichnamige Nachfolger und weitere Filmadaptionen des Dracula Stoffes inspirierte? Und welche Bedeutung hat Murnaus Nosferatu für den Horrorfilm der Gegenwart? Weiterlesen

Über die Historische Filmkritik von Béla Balázs MÄDCHENLOS

— Eine Kritik von Anna Willkommer

Béla Balázs‘ Filmkritik zum Stummfilm Weit im Osten (1920) (auch: Mädchenlos oder Weit unten im Osten, Originaltitel: Way Down East), die unter dem Titel Mädchenlos erschien, entstand im Oktober 1923, als der ungarische Autor und Regisseur zu diesem Zeitpunkt bereits seit mehr als einem Jahr regelmäßig Kritiken für die Wiener Tageszeitung Der Tag schrieb. Diese Filmkritiken bildeten die Grundlagen und einen großen Teil der Ausführungen seines Theoriebuchs Der sichtbare Mensch (1924), das bis heute in mehreren Neuausgaben erschienen ist, unter anderem 1983 als erster Band der Reihe Schriften zum Film, herausgegeben von Helmut H. Diederichs, der darin selbst einen Einblick in Balázs Denken gibt. Diese Annahmen und Theorien wurden von Filmhistorikern wie Jerzy Toeplitz als Pionier-Forschung in diesem Gebiet gesehen: „Dieses Buch ist im Weltmaßstab gesehen der erste Versuch, die ästhetischen Probleme des Films zu systematisieren.“ Am Beispiel von Mädchenlos führt Balázs die Großaufnahme der Hauptdarstellerin Lillian Gish in der Hauptrolle Anna Moore seiner Theorie zur Großaufnahme aus, die er in Der sichtbare Mensch  immer wieder aufgreift. In der entsprechenden Kritik vergleicht er Annas Mienenspiel mit einem „Schlachtfeld“, auf dem der „Schicksalskampf tobt“:

Es ist ein Griffithfilm, in dem der große amerikanische Meisterregisseur all den Tumult und all die wogende Aufregung, die er sonst mit der stürmischen Bewegung ungeheurer Massen auszudrücken pflegt, hier auf einem feinen, zarten Mädchengesicht […] darstellt.

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