Gastvortrag zum privaten Filmarchiv

Gastvortrag Dr. Simon Strick:

„Gamers: let fascism happen to you! Rechte Affekte und Computerspiel“

Während rechtsextreme Online-Netzwerke und Rechtsterrorismus in den letzten Jahren mehr ins Licht der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt sind, werden eher selten die diskursiven und kulturellen Wurzeln rechter Online-Kommunikation in den Nerd- und Computerspiel-Szenen besprochen, die eine zentrale Vorstufe derzeitiger rechter Online-Agitation darstellen. Der Massenmörder von Christchurch (NZ), der sein Massaker nicht nur wie einen First-Person-Shooter filmte und ins Netz stellte, sondern auch mit dem Ruf „Subscribe to PewDiePie!“ initiierte, ist nur ein Indiz für die folgenreiche Verwandtschaft von Computerspielszene, Gaming-zentrierten Online-Kulturen (Youtube, 4Chan) und gewaltsamen Rechtsterrorismus. Der Vortrag erläutert zentrale Ereignisse (Gamergate), Genreverwandtschaften  und Protagonist*innen dieses kulturellen Raums, der, wie argumentiert werden wird, vor allem affektiv wirksam ist und maßgeblich die Atmosphären heutiger digitaler wie auch nicht-digitaler Welten prägt.

Simon Strick ist Amerikanist und Genderforscher. Er promovierte 2011 an der Humboldt Universität mit einer Monographie zu Schmerz und Biopolitik im Zusammenhang mit Race und Gender. Das Buch American Dolorologies erschien 2014 bei SUNY Press. Er hatte Positionen an der Humboldt Universität, der Universität Paderborn, dem JFK-Institut der FU Berlin, dem ZfL Berlin und der University of Virginia inne. 2018 erhielt Simon Strick eine Forschungsförderung der VW-Stiftung für das Projekt “Feeling (Alt)Right: Affektive Strategien der Online-Rechten”; das Buch Rechte Gefühle erscheint 2020 bei Transcript. Zudem editiert Simon Strick derzeit eine Sonderausgabe der Zeitschrift Amerikastudien zu “(Re)Considering American Eugenics” (erscheint 2019). Zusammen mit Susann Neuenfeldt und Werner Türk gründete er 2009 das Theaterkollektiv PKRK, dessen Großprojekt 4-11-89 Theater der Revolution im November 2019 auf dem Alexanderplatz Premiere hatte. Simon Strick lebt und arbeitet in Berlin.

Plakat Vortrag Strick